Mozartsonate

-Auszug-

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Im Saal war es still. Hier und da ein Räuspern, ein Hüsteln waren die einzigen Geräusche in der Atmosphäre knisternder Erwartung. Gerade sie erhöhten die unerträgliche Anspannung. Hunderte von Augenpaaren hatten ihren Blick auf die Bühne, auf ihn gerichtet.

Der Knabe wirkte zart, beinahe zerbrechlich. Den Kopf gesenkt saß er mit hängenden Schultern auf dem Klavierschemel, als starre er auf die Reihe schwarz-weißer Tasten des glänzenden Flügels. Aber er hatte die Augen geschlossen. Im Geiste ließ er die ersten Takte der Sonate vorbeiziehen, während sein Körper den Rhythmus markierte. Die Spannung stieg. Der Knabe spürte die Vibration, die durch die Luft flirrte und beim Atmen jenes leichte Kribbeln hinterließ. Er dachte an seine Mutter, die immer an ihn geglaubt hatte und für die er imstande war, alles zu geben. Sie hatte ihn in den Saal geführt.

Er spannte seinen Körper, konzentrierte sich und brachte seine dünnen Finger in Position. Leise, fast zaghaft erklangen die ersten Töne, die der junge Pianist seinem Instrument entlockte. Federleicht glitten seine Hände über die Tasten, schienen diese gleichsam zu überfliegen, und doch erzeugten sie Klänge von derartiger Intensität, dass selbst die Zuhörer auf den hintersten Rängen atemlos lauschten. Dem munteren Allegro folgte im zweiten Satz ein langsames Adagio. Saß dort der junge Mozart persönlich oder war es eine Vision?